Musik

Einstweilige Verfügung wegen Internetseiten-Fälschung

Rainer von Vielen auf der Bühne

"Rainer von Vielen" beim Sound Of The Forest Festival 2015 - Foto: Dita Vollmond

Die Band „Rainer von Vielen“ soll wegen der Fälschung der ARD-Sportschau-Internetseite eine Unterlassungserklärung abgeben. Die Aktion sei aber offensichtlich missverstanden worden, heisst es aus dem Umfeld der Musiker.

Aus der umstrittenen Falschmeldung über eine ARD-Absage ist mehr geworden als eine Debatte über Fakten und Fake im Internet. Die allgäuer Band „Rainer von Vielen“ hatte vergangenes Wochenende auf ihrer Internetseite behauptet, sie dürfe nun doch nicht beim EM-Auftaktspiel der deutschen Mannschaft in Lille spielen. Die ARD hätte sie kurzfristig ausgeladen.

Tatsächlich handelte es sich bei der Meldung ursprünglich um die Nachricht von der ARD-Absage an Xavier Naidoo bezüglich seiner Teilnahme beim Eurovision Song Contest in Stockholm. „Rainer von Vielen“ hatten schlicht Namen, Veranstaltung und Austragungsort ausgetauscht und durch ein erfundenes Zitat von Herbert Grönemeyer, in dem dieser den neuen „Rainer von Vielen“-Song als „um so vieles besser“ als den seinen bezeichnete, ergänzt.

Sänger Rainer von Vielen: „Wir hätten wirklich nicht gedacht, dass das irgendjemand glaubt. Den angeblichen Shitstorm gegen uns, wir seien zu sehr gegen Intoleranz, von dem in dem Artikel die Rede ist, den hat es doch nirgendwo gegeben.“

Selbst der Bayerische Rundfunk war am Sonntag auf die Meldung hereingefallen und berichtete ungeprüft auf ihrer offiziellen Internetseite br.de von der ARD-Absage. Mittlerweile hat der Sender den Fehler eingeräumt und korrigiert. Die Sportschauredaktion selbst, unter deren Namen der Fake platziert worden war, reagierte gelassen und twitterte auf eine Echtheitsanfrage:

Sportschau Tweet

Nun sind die selbsternannten Bastard Popper aus Kempten Opfer ihres eigenen Spasses geworden. Die ARD hat die Musiker wegen der Fälschung ihrer Internetseite und der damit verbundenen Urheberrechtsverletzung angezeigt.

Der Anwalt des Rundfunksenders Christian Schertz, der auch den Satiriker Jan Böhmermann gegen den türkischen Präsidenten Erdoğan vertritt, sagte heute unserer Zeitung: „Die ARD hätte von all dem gar keine Notiz genommen, dafür sind „Rainer von Vielen“ einfach zu unbekannt. Erst durch die vielen Beschimpfungsemails, die dauraufhin beim Sender eingingen, sind wir auf die Fälschung aufmerksam geworden. Meinem Mandanten sind die Hände gebunden. Wenn so etwas passiert, muss er reagieren. Ich kann nur jedem empfehlen, seine Quellen zu überprüfen, die URLs genau zu lesen und nicht alles zu glauben, was irgendwo im Internet steht.“

Die Unterlassungserklärung will die Band aber vorerst nicht unterschreiben, das bestätigte Mangager Michael Schönmetzer: „Wir machen seit Jahren Musik. Und wenn das Ganze jetzt wegen dieser kleinen Fakemeldung solch hohe Wellen schlägt, dann beabsichtigen wir, sie zu surfen.“

Im Falle einer Verurteilung droht den Musikern eine Geldstrafe. Sollte die einstweilige Verfügung wirklich existieren. Denn wenn nicht, dann gnade ihnen Gott! Dann müssten die Rüpel von „Rainer von Vielen“ zur Strafe beim nächsten ESC nackig das schlimme Herbert Grönemeyer Fussball-Lied interpretieren oder allen Menschen, die jetzt tatsächlich beinahe schon wieder reingefallen wären, öffentlich ayurvedische Beruhigungsmassagen verabreichen und ihnen erklären, dass man „süddeutsch“ nun mal nicht mit „dt“ schreibt.

Heisser Tipp: Verbringt nicht so viel Zeit im Netz – geht raus und hört Musik!

Rainer von Vielen – neue Single „Der größte Tag“ - 24.06.2016